Sinus pilonidalis/Pilonidalsinus

Steißbeinfisteln treten vor allem bei jungen Männern auf und sind eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung des Unterhautfettgewebes im Bereich der Gesäßfalte. Anders als das umgangssprachliche Wort Steißbeinfistel vermuten liesse, ist der Knochen (das Steißbein) von der Entzündung nicht betroffen!

Ursachen

Die Erkrankung entsteht, indem sich abgebrochene Haare durch Reibebewegungen der Gesäßhälften in die Haut einbohren und so zu kleinen Gängen führen (Fisteln). Diese winzigen Fisteln, auch Pori (englisch:Pits) genannt, sind über eine Strecke von wenigen Millimetern von Haut ausgekleidet und können sich aus diesem Grund nicht spontan schließen. Über die stets offenen Fisteln können Haare, Hautschuppen oder Bakterien unter die Haut gelangen und eine Entzündung verursachen. Diese Entzündung unter der Haut heilt in den meisten Fällen nicht spontan ab. Begünstigt wird dieser Mechanismus durch starke Behaarung, übermäßiges Schwitzen, Übergewicht sowie eine überwiegend sitzende Tätigkeit.

Erscheinungsformen

Die Erkrankung kann in 3 Formen eingeteilt werden:
1. Blande/ asymptomatische Form: Es bestehen keine oder nur geringe und unspezifische Beschwerden, z.B. Schmerzen beim Sitzen auf harten Stühlen, Gefühl wie bei einem „Pickel“ oder einer Prellung. Die von außen sichtbaren winzigen Öffnungen im Bereich der Gesäßfalte (Pits) werden zufällig entdeckt. Ein Fortschreiten der Erkrankung muss nicht zwingend erfolgen, ist aber jederzeit in eine der beiden folgenden Formen möglich.
2. Akute Form: Ein Abszess kann sich innerhalb weniger Tage entwickeln und ist für den Betroffenen sehr unangenehm. Typisch ist die schmerzhafte, meist gerötete Schwellung, die sich in der Gesäßfalte oder häufig auch unmittelbar daneben entwickelt. Nach spontanem Aufplatzen oder chirurgischer Spaltung entleert sich Eiter.
3. Chronische Form: Hierbei berichten die Patienten über ein Nässen in der Gesäßfalte, welches durch die Absonderungen von geringen Mengen Blut und/ oder Eiter verursacht wird. Es können leichte Schmerzen auftreten. Zudem kann es durch die in dieser Region vorhandenen Bakterien zu einer zum Teil starken Geruchsbildung kommen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung richtet sich zunächst nach der Form der Erkrankung. Während eine zufällig entdeckte Fistel im asymptomatischen Stadium nach der Leitlinie keine Therapie erfordert, ist die akute Form sehr zeitnah behandlungsbedürftig. Der Abszess sollte chirurgisch ausgeschnitten bzw. eröffnet und gespült werden. Damit ist der akute Abszess behandelt, die Fistel besteht jedoch weiterhin. Im chronischen Stadium wird eine Behandlung empfohlen und aufgrund der genannten Beschwerden auch zumeist gewünscht. Die bislang gängigen Operationsmethoden im akuten und chronischen Stadium, die durch viele Ärzte propagiert wurden und werden, bestehen in einem mehr oder weniger großflächigen Ausschneiden der Fistel mit Wunden, die im ungünstigsten Fall wochen- oder sogar monatelang nicht richtig heilen. Für die betroffenen Patienten bedeutet dies eine massive Einschränkung der Lebensqualität, die nicht selten mit negativen beruflichen und finanziellen Folgen durch Ausfallzeiten einhergeht.

Durch die sog. Pit Picking Methode gibt es eine Behandlungsalternative, die wenig invasiv ist und somit die vielen unerwünschten Folgen einer herkömmlichen Operation verhindern kann. Sie ist ambulant in lokaler Betäubung meist am Tag der Erstvorstellung durchführbar, schmerzarm und kosmetisch ansprechend. Dieser kleinstmögliche Eingriff bei einem Sinus pilonidalis hat eine Erfolgsrate von ca 70-80%.

Pit Picking Behandlung

Die Methode wurde von dem Amerikaner J. Bascom 1980 entwickelt und wird seitdem von ihm angewendet. Er hatte in mehreren Studien zeigen können, dass die in der Gesäßfalte liegenden Fisteln über eine Strecke von wenigen Millimetern von Haut ausgekleidet sind und aus diesem Grund sich spontan nicht schließen können. Über die stets offenen Fisteln („Pits“) können Haare, Hautschuppen oder Bakterien unter die Haut gelangen und eine Entzündung verursachen. Das Prinzip der Operation ist es, die von Haut ausgekleidete Fisteleingänge sparsam auszuschneiden (zu „picken“), um einen Verschluss der Fistel durch Narbenbildung zu ermöglichen. Schließen sich die „Pits“ (die Eingangslöcher in der Falte), verklebt auch der ehemals entzündete Hohlraum unter der Haut und heilt ab. Patienten, die früher bereits nach der herkömmlichen Methode mit Ausschneiden des Fistelsystems behandelt wurden, sind für das Pit Picking nicht geeignet.

Durchführung der Operation und Nachbehandlung

In Bauchlage wird zunächst ein sofort wirkendes Betäubungsmittel in die Gesäßfalte eingespritzt. Dann werden die zuvor markierten Fisteleingänge mit einer kleinen Stanze ausgeschnitten. Es entstehen dabei ca 2-4 mm große, sehr oberflächliche Wunden. Seitlich der Gesäßfalte wird zusätzlich ein ca 10-15 mm langer Schnitt gesetzt, damit Eiter und Wundflüssigkeit abfließen und die ausgestanzten Pits gut abheilen können. Im Anschluß wird ein einfacher Verband aufgelegt. Nach ca. 20-30 min wird die Wunde von uns auf eine Nachblutung kontrolliert. Ist alles in Ordnung, können Sie die Praxis verlassen. Ein leichtes Schmerzmittel kann am OP Tag eingenommen werden, danach ist dies in der Regel nicht mehr nötig. Der Verband wird vom Patienten am nächsten Tag selber entfernt, danach genügt es eine Mullkompresse oder kleine Einlage in die Gesäßfalte zu klemmen und je nach Wundsekretion zu wechseln. Salben, Pflaster oder Verbände sind nicht nötig und auch nicht empfohlen. Nach Entfernen des Verbandes kann es zu einer kleinen Nachblutung kommen. Diese ist völlig ungefährlich, durch das Setzten auf die Wunde mit einer vorgelegten Kompresse von ca 15 min Dauer versiegt die Blutung von selber. Die Patienten können nun alles tun, Einschränkungen gibt es nicht! So sind sowohl Arbeiten als auch alle Freizeitaktivitäten wie Sport, Schwimmen, Saunen etc möglich.

Erfolg der Operation

Nach ca 2- 4 Wochen versiegt die Sekretion und die Wunden sind komplett trocken. In diesem Falle war der Eingriff erfolgreich. In Einzelfällen kann die Sekretion bis zu 6 Wochen anhalten. Besteht danach weiterhin ein Nässen, war die Behandlung nicht erfolgreich und muss ggf wiederholt werden.

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